Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

in Holthausen: Verbesserung der Aufnahmesituation

und gesellschaftliche Integration sind

die Kernpunkte des Konzepts

 

Hagen. Zum Ende dieses Jahres wird das Jugendgästehaus Holthausen seine Arbeit in der bisherigen Form einstellen und einer neuen Verwendung zugeführt werden. Die Ev. Jugendhilfe Iserlohn-Hagen, eine Tochtergesellschaft der Diakonie Mark-Ruhr, hat hierfür ein neues Konzept erarbeitet. So soll auch weiterhin der Fokus der Einrichtung auf der Arbeit mit Jugendlichen liegen.

 

„Wir möchten eine Lücke im Betreuungsangebot der Stadt Hagen schließen und uns hier in Holthausen künftig um die Betreuung von minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen kümmern“, erklären die Geschäftsführer Angelika Hamann und Reinhard Meng. Das Ziel der Betreuung ist unter anderem die Verbesserung der Aufnahmesituation und die gesellschaftliche Integration.

 

Als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden Menschen bezeichnet, die noch nicht volljährig sind und ohne sorgeberechtigte Begleitung aus ihrem Heimatland in ein anderes Land flüchten oder dort zurückgelassen werden. Die Minderjährigen werden beispielsweise alleine von ihren Familien nach Europa geschickt, sie haben ihre Angehörigen zuvor im Krieg verloren oder verlieren sie während der Flucht. „Minderjährige Flüchtlinge, kommen unbegleitet nach Deutschland, weil sie oder ihre Familien in ihren Herkunftsländern keine Perspektive oder ihr Leben, ihre körperliche Unversehrtheit oder ihre Freiheit konkret in Gefahr sehen. Oft sind die Flüchtlinge traumatisiert und brauchen besonderen Schutz“, beschreibt Angelika Hamann die Situation. „Die Jugendlichen werden bei uns in allen Fragen ihrer persönlichen Entwicklung sowie beim Aufbau eines eigenen Lebensfeldes beraten. Dabei streben wir das eigenständige Wohnen in einem Appartement bzw. eigenen Wohnung.“

 

Das heißt: die Betreuungsform sieht zum einen eine Regelwohngruppe und zum anderen eine Regelwohngemeinschaft vor. „Im Rahmen der erzieherischen Hilfe leben neun Jugendliche in einer Regelwohngruppe; in einer Regelwohngemeinschaft leben drei Jugendliche in einer dreier Wohngemeinschaft und werden zentral betreut“, erläutert Reinhard Meng. Insgesamt ist das Angebot in Holthausen auf zwölf Jugendliche ausgelegt.

 

Die Betreuungsformen sollen auch Sicherheit und Schutz für die jungen Menschen vermitteln. Reinhard Meng: „Wir wollen die schulische Entwicklung und die Partizipation am gesellschaftlichen Leben in den Fokus nehmen und fördern. Dabei wird jeder Jugendliche individuell in den Blick genommen und betreut. Ganz wichtig ist eine Entwicklungsperspektive gemeinsam zu erarbeiten und zu verfolgen.“ Durch pädagogische Fachkräfte werden zudem sprachliche und interkulturelle Kompetenzen vermittelt und nicht zuletzt das persönliche, durch die Flucht bedingte, Trauma aufgearbeitet.

 

Dabei sind die zuständigen Mitarbeitenden der Ev. Jugendhilfe für die betreuten Jugendlichen jederzeit erreichbar und ansprechbar. Das gilt übrigens auch für alle Nachbarn, die sich per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bei Fragen in diesem Zusammenhang melden können. Die Ev. Jugendhilfe Iserlohn Hagen hat das Konzept im Vorfeld mit dem Jugendamt der Stadt Hagen abgestimmt und vor Ort unter anderem das Gespräch mit der örtlichen Kirchengemeinde gesucht. Die Anwohner wurden im Rahmen einer Informationsveranstaltung am 4. November informiert.

 

Hintergrundinformationen:

 

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden zunächst vom örtlich zuständigen Jugendamt in Obhut genommen. Daran schließt sich ein sogenanntes Clearingverfahren an. Das Vorgehen unterscheidet sich hier jedoch von Bundesland zu Bundesland und reicht von kurzen Gesprächen bis hin zu auf mehrere Wochen angelegten Clearingverfahren. Mit Hilfe des Verfahrens soll der Hilfebedarf des Jugendlichen festgestellt werden. Das Clearingverfahren klärt Fragen wie beispielsweise:

  • Alterseinschätzung
  • Wie ist seine psychische und körperliche Verfassung, sein Gesundheitszustand?
  • Welche Informationen gibt es zur Identität des minderjährigen Flüchtlings?
  • Hat der Minderjährige Familienangehörige (z.B. Eltern, Onkel, Tante, Cousin/Cousine oder erwachsene Geschwister)in der Bundesrepublik oder einem anderen Land und ist es gegebenenfalls möglich, die Familie wieder zusammenzuführen?
  • Welche Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe benötigt der unbegleitete minderjährige Flüchtling im Alltag?
  • Welche Art der Unterbringung ist für den Flüchtling geeignet und wo kann er wohnen?
  • Wer übernimmt fortan die Begleitung zum Leben in der neuen Heimat?
  • Welche Perspektiven hat der Flüchtling und wie können diese genutzt und ausgebaut werden?

 

Die notwendigen weiteren Schritte werden in einem Hilfeplan nach § 36 SGB VIII festgelegt. Meist wohnen die Jugendlichen dann bis zum 18. Lebensjahr in einer sozialpädagogischen Wohngruppe.

 

(Quelle: www.diakonie.de)

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